Jenseits des Gewöhnlichen
Franziska Engeler, Kunsthistorikerin - März 2026
Unter dem Titel Flux and Flow zeigt die Ausstellung Arbeiten von Brigitte MARINA Wachsmuth sowie des Gastkünstlers Jian Cheng und führt in eine Bildwelt ein, in der ostasiatische Traditionen als bewegliche, fortwährend neu lesbare Ressourcen der Gegenwart erscheinen. Der Titel benennt dabei nicht nur eine Stimmung, sondern ein inhaltliches Prinzip: Flux verweist auf Wandel und Verschiebung, Flow auf Kontinuität, Weitergabe und das Fliessen von Formen, Motiven und Techniken durch Zeit und Medien. Die Ausstellung folgt diesem Leitfaden, indem sie sichtbar macht, wie überlieferte Bildrepertoires zugleich fortbestehen und sich in der künstlerischen Praxis verändern können.
Die Auswahl reicht von Zeichnungen mit Tusche auf Papier bis hin zu malerischen Positionen und zeichnet nach, wie historische Ikonografien, ornamentale Strukturen und formale Setzungen in neue Konstellationen überführt werden. Brigitte Marina Wachsmuth verbindet eine langjährige malerische Praxis mit einer kunsthistorisch fundierten Auseinandersetzung: Nach einer beruflichen Laufbahn in der Schweizer Finanzwelt studierte sie Japanologie und ostasiatische Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Diese doppelte Perspektive prägt ihre Arbeit, in der insbesondere die Ölmalerei, aber auch zeichnerische Verfahren, als Orte der Übersetzung und Verdichtung fungieren.
Zentral ist ein methodischer Zugriff, der an die ostasiatische Tradition des Kopierens und Weitertragens von Bildwissen anschliesst. Wachsmuth arbeitet mit Abbildungen traditioneller Sujets und entwickelt daraus neue Kompositionen, die sich bewusst zwischen Reproduktion und Transformation positionieren. Durch Wiederholung, bewusste Variation und Verschiebung von Linie, Ornament, Muster und Form entstehen eigenständige Bildlösungen, in denen das Vorbild zugleich präsent bleibt und in eine zeitgenössische Bildsprache übergeht.
Gerade in den Arbeiten mit Kalligrafie verschmelzen historische Motive mit persönlicher Handschrift zu einem neuen visuellen Gefüge, das die Prozesse der Überlieferung sichtbar macht. Im Dialog mit Jian Cheng erweitert sich diese Perspektive um eine weitere künstlerische Position, sodass Flux and Flow als vielstimmige Untersuchung lesbar wird: Tradition erscheint hier nicht als statischer Kanon, sondern als ein Feld in Bewegung, in dem Kontinuität und Wandel untrennbar ineinandergreifen.
Under the title Flux and Flow, the exhibition showcases works by Brigitte MARINA Wachsmuth and guest artist Jian Cheng, creating a visual world where East Asian traditions appear as dynamic, constantly reinterpreted resources of the present. The title not only sets a mood but also reflects an underlying principle: Flux signifies change and shifting, while Flow represents continuity, transmission, and the movement of forms, motifs, and techniques across time and media. The exhibition embodies this idea by showing how traditional image repertoires both endure and evolve within artistic practice.
The selection ranges from ink drawings on paper to painterly works, tracing how historical iconographies, ornamental structures, and formal arrangements are reconfigured into new combinations. Brigitte Marina Wachsmuth combines a long-standing painting practice with a solid engagement with art history: after a career in Swiss finance, she studied Japanese studies and East Asian art history at the University of Zurich. This dual background influences her work, where oil painting and drawing techniques serve as sites of translation and condensation.
A key methodological approach relates to the East Asian tradition of copying and transmitting visual knowledge. Wachsmuth works with images of traditional subjects and develops new compositions from them, intentionally navigating between reproduction and transformation. Through repetition, deliberate variation, and shifting lines, ornaments, patterns, and forms, autonomous visual solutions emerge, where the original remains present while transforming into a contemporary visual language.
Especially in works involving calligraphy, historical motifs blend with personal handwriting to create a new visual fabric that reveals the processes of transmission. In dialogue with Jian Cheng, this perspective is broadened by another artistic viewpoint, making 'Flux and Flow' a polyphonic exploration: here, tradition is not viewed as a static canon but as a field in motion, where continuity and change are inseparably linked.